KWASIKWARX Kunst und Mythologie der Maske

Biografie

 

1929 wird Leopold Haefliger in Luzern geboren. Seine Mutter ist Modistin, sein Vater (Leopold senior) Bildhauer von Beruf. L.H. hat fünf Brüder.

 

1945 wirft die Kunstgewerbeschule Luzern L.H. raus. Danach arbeitet L.H. im Atelier Neubaute. Der Kunstmaler Karl Friedrich Schobinger (1879 - 1951) bildet ihn weiter.

 

1950 verkauft L.H. in Luzern sein erstes Bild für 300.- Franken.  Im gleichen Jahr tritt L.H. der Guggenmusik “Chatzemusig” bei.

In den frühen 50ern reist L.H. nach Italien, Frankreich, Spanien.

 

1951 wechselt L.H nach Unstimmigkeiten mit der “Chatzemusig” zur “Bohème Musig”, wo er bald Tambourmajor wird und die künstlerische Leitung übernimmt.

 

1952 findet das erste Monsterkonzert der drei Luzerner Guggenmusiken (“Guuggemusig”, “Chatzenmusig” und “Bohème Musig”) statt, die Inititalzündung zu den Monsterkorsos der folgenden Jahre.   1955/57 erhält L.H. Eidgenössische Stipendien.   1959 heiratet L.H. Anna Sieber. Er erhält ein Stipendium der Kiefer-Hablitzel-Stiftung.   1960 verleiht die Stadt Luzern L.H. den Anerkennungspreis.

 

In den frühen 60ern führt L.H. mit Josef Ebinger und Max Baumann Gespräche über einen LFK-unabhängigen Verband aller Guggenmusiker.   1963-66 gibt L.H. die Fasnachtszeitung “Nas-Horn” mit heraus.

 

1964 schliessen sich die Luzerner Guggenmusiken zu den „Vereinigten Guuggenmusigen Luzern“, kurz die “Vereinigte”, zusammen.

 

1969 L.H. organisiert als Tambourmajor der Bohème Musig das erste Guuggali (Fest der Vereinigten) im Kunsthaussaal Luzern mit. Auftritt seiner Frau Anna Haefliger als Guuggeri.

 

1971 arbeitet er als Gastbühnenbildner des Theaters der Stadt Bonn. Mitarbeit an der „Dreigroschenoper“ von Bertold Brecht.

 

1972 betreut er die Gesamtausstattung für „Hänsel und Gretel“ von Engelbert Humperdinck.

 

1973 stellt L.H. mit Godi Hofmann im Kunstmuseum Luzern aus.

 

1974 stirbt sein Vater.

 

1975 verkauft L.H. der Bohème Musig die Guggenmusikinstrumente aus seinem Besitz.

 

1976 wird L.H. nach heftigem Streit aus der Bohème Musig ausgeschlossen und seine Ehrenmitgliedschaft aberkannt.

 

1977 gründet L.H. mit der Familie Koch die Guuggenmusik “Leopolds Alte Garde”.

 

1981 stirbt seine Mutter.

 

1989 stirbt L.H. in Luzern an einem Herzinfarkt.

 

 

Künstlerische Einflüsse: Ensor, Modigliani, Vlaminck, Soutine und Varlin, mit dem er eine Freundschaft pflegte.

 

 

Quellen:

 

Faszination Luzerner Fasnacht, Band I: Autor Lorenz Fischer; “Die Guuggenmusigen”

Hrsg. Luzerner Fasnachtsführer, Luzern 1988

 

Leopold Haefliger

Hrsg. Hans Neuburg; Edition Murbach, Zürich 1982

 

“Fehrbelliner… vorwärts marsch! – Von den “Mais-Brüder” zur "Bohème Musig Lozärn”

Hrsg./Autor Lorenz Fischer; Luzern 2009

 

 

 

 

 

 

 MASKENKUNST

 

Leopold Haefliger 1929-1989

Der Maskenkünstler, Kunstmaler und Bühnenbildner Leopold „Pöldi“ Haefliger prägte mit seinem eigenwilligen Stil die Luzerner Fasnacht von den 50ern bis in die 70er Jahre des 20. Jahrhunderts nachhaltig. Noch heute werden seine Masken an der Luzerner Fasnacht getragen.

 

Mit seiner präzisen Reduktion der Fratze auf ihre dominanten Grundformen erreichte er eine Ausdruckskraft, die die Masken zwischen Archaik, Abstraktion und Karikatur schweben lässt. Manche seiner Grenden (grosse Masken) sind von einer leisen Melancholie durchdrungen, manche von einer berauschten Seligkeit, andere von einem stummen Staunen, als wollten sie bloss in einem Kindertraum Unterschlupf finden. Ihre Mimik spiegelt Schlauheit wider, Naivität, Verzauberung und Freundlichkeit. Trotz ihrer grandios überzeichneten Gesichtszüge, der riesigen Grinsmäuler, der klobigen Zinggen (Nasen), und der wulstigen Lippen wirken die Masken nie albtraumhaft oder bösartig, sondern scheinen vielmehr jener Welt entwichen zu sein, wo Sendaks  wilde Kerle wohnen.

 

Der Einfluss von schweizerischen und afrikanischen Masken, die Leopold Haefliger leidenschaftlich sammelte, ist in seinem Schaffen unverkennbar. Unbekannter ist der prägende Einfluss seines Freundes und Mitguuggers Bruno Koch, zu dessen Guggenmusik “Bohème Musig” Leopold Haefliger nach kurzem Einstand bei der “Chatzemusig” stiess. Zu Beginn seiner 24jährigen Zeit bei der Bohème Musig bemalte Leopold Haefliger Bruno Kochs Maskenrohlinge, der seinerseits sein Handwerk bei Sepp Ebinger gelernt hatte. Erst in einem zweiten Schritt übernahm Leopold Haefliger die künstlerische Leitung des Ensembles.

 

Ursprünglich verstanden die Bohèmiens, auf die sich der Name der

Bohème Guggenmusig direkt bezieht, Kunst als Selbstverteidigung vor der Verspiesserung am eigenen Leib. Ihre kreativen Normabweichungen verunsicherten provokativ die Normtreuen und stellten die drückenden Machtverhältnisse kynisch auf den Kopf.

 

Obwohl sich die Bohème Musig aus Nonkonformisten zusammensetzte, die einem wilderen Traum nachhingen als jenem, den die Zünfter des „Luzerner Fasnachtskommitees“ (LFK) der Stadt verordneten, hielt auch bei diesem bunten Haufen die Vereinsmeierei Einzug. Leopold Haefligers ambivalentes Verhältnis zur Ordnungsmacht zeigte sich einerseits in seiner mephistophelischen Lust an Regelbrüchen und Schabernak, andererseits in seinen Annäherungsversuchen an den Herrenfilz, die bis zu konkreten Plänen reiften, der Zunft zum Safran beizutreten. Als Kunstmaler war er finanziell auf die Gunst der zahlungskräftigen Kundschaft angewiesen, als Poet war ihm nichts mehr zuwider als die Erstarrung der Fasnacht in spiessbürgerlicher Selbstbespiegelung. Seine Widersprüchlichkeit zeigte sich aber auch intern in der Guggenmusik, wo seine lausbübische Unzähmbarkeit im harten Kontrast zu seinem autokratischen Führungsstil als Tambourmajor stand.

 

In den frühen Siebzigern erweiterte die Bohème Musig an den Güdismontagabenden ihr  Repertoire mit improvisiertem Interagieren (“Intrigieren”), wobei Maskierte aufs Geratewohl Fasnachtsbesucher anbaggern und vorführen. Zusammen mit seiner Frau Anna trieb Leopold Haefliger incognito seinen Spott besonders gern mit der lokalen  Cervalatprominenz, die die Haefligers durch das Labyrinth ihres Insiderwissens nasführten.

 

Als die Bohème Musig Leopold Haefliger die Gründung einer autonomen Guggenmusik innerhalb der Bohème-Musig erlauben wollte, liess er den Verein schonungslos spüren, was er von Vorschriften und Statuten hielt. “Ich frage niemanden, wenn ich eine solche Gruppe gründen will.”  Noch bevor der Verein den offiziellen Rausschmiss mitsamt Aberkennung der Ehrenmitgliedschaft beschloss, kehrte Leopold Haefliger seiner Guggenmusik den Rücken und hinterliess eine unausfüllbare Lücke. Mit der Familie Bruno und Josephine Koch gründete er kurz darauf die neue Guggenmusik “Leopolds Alte Garde”, die erst nach seinem Tod wieder in der Bohème Musig aufging.

 

Die hier präsentierten Haefligermasken, allesamt Papiermachénegative von Gipsformen, dekorieren an der Fasnacht die Fasnachtshochburg Restaurant Wilden Mann in Luzern. Im Wilden Mann fanden lange Jahre die Fasnachtsbälle der Bohème Musig statt. Die vorangegangene Sammlung von Haefligermasken fiel 1984 einem Dachstockbrand des Restaurants zum Opfer, worauf Leopold Haefliger den Auftrag erhielt, rund 100 neue Masken zu liefern.

 

Maskenbau > Maskenkunst  Leopold Haefliger

 

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