TRANSEN

 

Das Berner Huttefroueli und die Zuger Figur, Greth Schell buckeln ihren betrunkenen Mann nach Hause. In der Doppelfigur triumphiert die Trunkenheit des Holdrios über die Verbitterung seiner Gattin. Hedonismus knechtet Moral.

 

An der Absamer Fasnacht im Südtirol heisst die Alte, die ihren Mann im Korb auf dem Rücken trägt, “die Lall”. Die Begleiter der Zuger Greth Schell heissen hingegen “Löli”. Sie scheinen dem Hofstaat des Lällenkönigs zuzugehören, der lallenden zum Muttersöhnchen regrediert. Die Doppelgestalt sprengt wie kaum eine andere Fasnachtsfigur die Einheit von Person und Körper. Der Zweischlangenstab des Tricksters, der Caduceus, scheint im vertrackten Transgenderspiel zu sein. Die fasnächtlichen Mann-Frau-Chimären übersetzen seine zwittrige Ambivalenz in die lokale Witzigkeit des Kleinbürgertums.

 

Auch die Fasnachtshexen stehen unter dem Patronat des Tricksters. Kriens Wöschwiiber und Bärnerwiiber knüpfen mit ihrer obszönen Geste des Rocklüftens an den Abwehrzauber des Lällenkönigs an. Die Tscherlacher Schnäggähäxä packen unzimperlich Männern an den Eiern, während es die Interlakner und Siebner Hexen vornehmlich auf junge Frauen abgesehen haben, wenn sie ihre schwindelerregende Trülle zum Einsatz bringen. Aber unzweifelhaft stecken unter den meist grinsenden Altweibermasken Männer, die sich in der fasnächtlichen Anonymität dem heterosexuell streng tabuisierten Rausch des Geschlechterrollentauschs hingeben.

 

 

 

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