FINSTERLINGE

 

Die Paranoia vor dem Einbruch der Verdammten in die geordnete Welt, die militante Polemik der Kirche gegen das “Heidentum” und die Ängste vor den unberechenbaren Gewalten der Natur brachten die Ungeheuer hervor, die die Finsternis des Mittelalters bis tief in die Neuzeit besiedelten.

 

Der ausgegrenzte Daimon kehrt als Höllengeburt zurück. Die Kriegstoten machen mobil. Die zauberkundige Herrin der Tiere mutiert zur sadistischen Hexe. Die Dämonen rotten sich hinter dem Türst und dem ursprünglich schrecklichen Harlekin zum Wilden Heer zusammen. Die Maskenfiguren inszenieren raubend, schlagend und vergewaltigend den gepredigten Hass der Unterwelt nicht ohne belehrenden Unterton.

 

634 wird der langobardische Walapauz verboten. Als Bötzler und Butzi geistert er durch Bräuche und Sagen bis heute weiter. Die Maskenrotte, “so unheimlich wie ergötzliche Gewitter” (Karl Meuli) lässt sich nicht per Verordnung aus dem Weg räumen. Der Waldschrat wütet als Schrättlig, Strega und Spräggele-Schnabelgeiss. Die Erdgöttin, die alles Leben in sich aufnimmt und hervorbringt, hat sich als Sträggele auf Kindsentführung spezialisiert. Die Horrorfiguren machen die Panik vor der Verdammnis anschaulich und kitzeln einen wohligen Schauer hervor.

 

Der Ablass findet Eingang in die Maskenbräuche. Aus der versöhnlichen Heischgabe wird ein Loskauf vor der ewigen Verdammnis. Die Fratzen der Nacht verbreiten Angst und Schrecken und treiben die Gläubigen in den Taumel des verheissenen Himmels.

 

Und dennoch erhält sich eine tiefe Verbundenheit der Menschen mit ihren Schreckgespenstern zäh über die Jahrhunderte. Bei den Mächten der Unterwelt will der Bauer nicht verspielt haben. Sie sind es letztlich, die die Vegetation im Frühjahr zurück ans Licht lassen. Auch wenn der Himmel dagegen angrollt. Alles Gute kommt von unten.

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