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                 DAIMONEN

 

Aus Felsen starren Fratzen. Das Dickicht blinzelt. Der Sumpf liegt auf der Lauer. Die Erde hat viele Gesichter. Durch die Träume huschen die Ahnen. Alles ist beseelt, alles ist begeistert, alles spiegelt sich ineinander.

 

Was aus den Felswänden, Baumrinden und Schätten herausglotzt, meisseln die Bildhauer in Stein. Die Grotesken sind die Fortsetzung des Albtraums mit den Mitteln der Kunst.

 

Mit der Maske verfestigt sich die Grimasse. Wenn sie grinst, verkörpert sie das Grinsen. Wenn sie starrt, zwinkert sie mit keinem Augenlid. Sie ist so tot wie lebendig. Sie denunziert das Gesicht als angeborene Fassade. Gleichzeitig dringt aus ihr das Lachen über die gelungene Täuschung.

 

Die Maskenfigur ist ein Vehikel in die Welt der Daimonen. Sie transportiert den Maskenträger in den Graubereich zwischen ihm und der Vorstellung. Er schlüpft in eine Haut, die einem anderen gehört, und wird in den Augen der Anderen der Andere.

 

Die Maske räumt mit der nicht enden wollenden Zumutung auf, der zu sein, den man repräsentiert. Indem sie sein Umfeld über die Identität des  Maskenträgers täuscht, verschwindet seine soziale Persönlichkeit.

Unter der Maske schafft sich ein lichtscheues Wesen Platz. Die Maskenfigur ist ihr Schutzanzug. Die verinnerlichte Maskenfigur verdrängt den Maskenträger aus seinem Bewusstsein. Erst die Wirkung der Maske gegen innen verleiht der Maskenfigur ihre Lebendigkeit.

 

Die Übertretung des eigenen Profils ist der erste Schritt in den Exzess. Die Maskierung erlaubt, ausser sich zu geraten. Sie berauscht und transzendiert. Die Grenzen verschwimmen. Aus dem Schatten der Anonymität bricht das Unfassbare heraus. Den Tabubruch begeht der Andere.

 

Dämonenaustreibungen sind das schmutzige Geschäft von Exorzisten. Maskenbräuche schaffen hingegen dem Daimonischen Raum in der Öffentlichkeit. Die Mär von der fasnächtlichen Wintervertreibung wird gern weitererzählt, weil sie den Gedanken beruhigt, dass der Lärm der  Maskenfiguren die Daimonen tatsächlich in den Menschen weckt und den eingefleischten Inquisitor aus dem Oberstübchen wirft.

 

Trickster WILDEFINSTERLINGE dokumentieren Maskenbräuche hauptsächlich aus der allemannischen Schweiz. Die Ortsabkürzungen bezeichnen Kantone.

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